TU-Berlin
Fach: Anglistische Linguistik
Hausarbeit zum Hauptseminar: Ökologie der Sprache WS
98/99
LV.: 0135L512
Dozent: Prof. Peter Erdmann
Eingereicht von: Ramiro Gómez
Thema:
Die Sprache der Politik/ The Language of Politics
Inhalt
- Einleitung
- Politische Sprachverwendung
- Phonetischer Vergleich von Vortragsstilen
- "War Message" in Amerika - Die Reden von George Bush (1991) und Bill Clinton (1998) zur Eröffnung des Angriffs gegen den Irak
- Schlußwort
- Literaturverzeichnis
- Anhang: Clintons Radioansprache vom 19.12.1998
Einleitung
Die Sprache ist das wichtigste Mittel der Politik, sie ist untrennbar mit ihr verbunden. Jede politische Handlung muß sprachlich ausgearbeitet und übermittelt werden. Die Aufgaben der Politik wiederum sind die Repräsentation des Volkes und die Umsetzung politischer Ziele, die dem Willen des Volkes entsprechen. Diese Anforderungen an die Politik sind natürlich nur in einem demokratischen Staat gewährleistet, aber auch in Diktaturen, wie im Nationalsozialismus oder im heutigen China, waren und sind die Machthaber darum bemüht, daß Volk auch sprachlich in Schach zu halten.
Die Propagandaveranstaltungen in der NS-Zeit waren zum größten Teil Massenveranstaltungen mit dem Ziel Emotionen hervorzurufen, Haß und Aggression gegen die vermeintlichen Feinde zu schüren. Die politische Rede zur damaligen Zeit war volkstümlich und leicht verständlich, es ging keineswegs darum den Hörern kognitive Höchstleistungen abzuverlangen. So wurden dem Volk durch häufiges Wiederholen bestimmte Schlag- und Reizwörter förmlich eingehämmert. Hitler war der "Führer" des Volkes und der Feind war der "jüdische Bolschewismus" oder der "Jude". Es gab eine klare Gegenüberstellung von "Gut und Böse".
Das Eindringen von Informationen war und ist in diktatorischen Regimen absolutes Tabu. In der NS Zeit war es bekanntlich nur erlaubt das staatliche Radioprogramm zu empfangen. Wer dagegen verstieß, riskierte sein Leben. Diese einseitige Beeinflussung des Volkes war ein Mittel jegliches Denken zu verhindern, was zu Zweifeln am System hätte führen können. Das Vorenthalten von Information wird auch heute noch in diktatorischen Regimen praktiziert, doch wird das glücklicherweise durch die Verbreitung von Medien erschwert.
Im weiteren soll es allerdings nicht um eine Analyse der Propagandasprache an sich gehen. Viel mehr soll gezeigt werden, daß auch in Demokratien die Sprache als Mittel der Manipulation und Beeinflussung verwendet wird.
In demokratischen Staaten ist erklärtes Ziel der Politik, die Meinung des Volkes zu repräsentieren. Je nach Verfassung finden Wahlen in diesen Staaten statt. Die Programme der verschiedenen politischen Parteien, die zur Wahl antreten, werden vor den Wahlen innerhalb von Wahlkampfveranstaltungen, Wahlwerbungen und Auftritten der Politiker in den Medien publik gemacht. Die Medien spielen hierbei eine nicht zu unterschätzende Rolle, denn auch sie können, durch ihre Sprachverwendung bzw. durch ihre Präsentation der Politiker, Meinungen beeinflussen.
Besonders in der Zeit des "Wahlkampfes" sind die rhetorischen Künste der Politiker gefordert. Sie müssen die Wähler von ihren Ideen überzeugen, um an die Macht zu gelangen oder sie zu erhalten. Aber auch in Situationen, in denen schwerwiegende politische Entscheidungen getroffen werden müssen, sei es eine wirtschaftliche Krise oder aber ein militärischer Konflikt mit einem anderen Staat, ist die Sprache ein wichtiges Mittel zur Durchsetzung politischer Ziele.
Oft wird im politischen Diskurs sprachlicher Mißbrauch betrieben. Es werden zum Beispiel "Wahlversprechen" gemacht, die nicht erfüllbar sind, man denke an die "Steuerlüge" der CDU vor den Bundestagswahlen im Jahre 1990. Handelt es sich hier um bewußtes Lügen, wird also mit Absicht gegen die Kommunikationsmaximen verstoßen, wie sie von Grice1 postuliert wurden, die Sprache also ihrem eigentlichen Zweck entfremdet?
Auch die sprachliche Behandlung des politischen Gegners zeigt, daß in der Politik anscheinend jedes Mittel recht ist, um die eigene Position in ein gutes Licht zu rücken. Im folgenden will ich zunächst ein paar sprachliche Mittel aufzeigen, derer Politiker sich bedienen, um ihre Ziele zu verfolgen. Später stelle ich einen Vergleich von Vortragsstilen vor und gehe danach auf die Kriegsbotschaft in den Vereinigten Staaten von Amerika ein.
Politische Sprachverwendung
Wie schon eingangs bemerkt hat Politik sehr viel mit Auseinandersetzung zu tun. Sie dient unter anderem dazu, an die politische Macht zu gelangen oder sie zu erhalten. Der politische Gegner wird daher sprachlich häufig attackiert, so bezeichnen die Republikaner die PDS als "Mauermörderpartei"2, die FDP wirft dem Umweltminister Trittin vor, er würde seine politischen Ziele im "Rambo-Stil"3 durchsetzen oder nennen ihn "den grünen Amokläufer"4, aber auch in die andere Richtung wird scharf geschossen, so ist der Begriff "Amoklauf"5 auch der PDS nicht unbekannt, sie bezeichnen die politischen Aktivitäten der "Herrn Stoiber und Schäuble"6 im Zusammenhang mit der Diskussion um die Einführung einer doppelten Staatsbürgerschaft auf diese Weise. Man könnte noch zahlreiche andere Beispiele anfügen, um deutlich zu machen, daß am politischen Gegner kein gutes Haar gelassen wird. Es geht in der Politik aber nicht nur darum die Gegner auszuschalten.
Politiker müssen ständig darum bemüht sein, in der Öffentlichkeit eine gute Figur zu machen. Da es sich aber auch bei ihnen um Menschen handelt, machen sie Fehler, von denen sie dann sprachlich ablenken müssen. In einer Äußerung wie "Fehler wurden gemacht" fehlt der Agens, d.h. die semantische Rolle des Verursachers einer Handlung bleibt unbenannt. Es wird zwar klargestellt, daß etwas falsch gemacht wurde, die Frage wer etwas falsch gemacht hat bleibt allerdings offen. Im Gegensatz dazu läßt die Äußerung "Ich habe Fehler gemacht" keine Zweifel bestehen, sie ist daher eine Seltenheit im politischen Diskurs. Der Sprecher lädt hier die Schuld auf seine eigene Person. Solche Aussagen sind in den meisten Fällen unangebracht, es sei denn es ist unumstritten, wer die Verantwortung für eine bestimmte Handlung trägt. Ein solches Schuldeingeständnis kann dann wiederum noch positiv bewertet werden, da es immerhin ein gewisse Einsicht zeigt.
Ein anderes Mittel zur Verschleierung der Realität ist der Gebrauch von Euphemismen. Diese Hüllwörter rufen zunächst nicht so starke negative Konnotationen hervor, sie beschönigen bestimmte Sachverhalte, und ersetzen in der politischen Sprachverwendung häufig die Begriffe, die diese Sachverhalte klar zum Ausdruck bringen würden. Hier gibt es eine ganze Reihe von Beispielen aus verschiedene Bereichen.
Im Bereich der Wirtschaft werden Begriffe wie "Null- oder Minuswachstum", die an sich paradox sind, verwendet um, von Verlusten abzulenken. Sogenannte "Preiskorrekturen" sind Preiserhöhungen, und der "Solidaritätszuschlag" ist keine Gehalts- sondern eine Steuererhöhung.
Im militärischen Bereich ist von einem "bewaffneten Konflikt" oder vom "atomaren Austausch" die Rede, wenn es sich um einen Krieg bzw. Atomkrieg handelt. Reizgas wird zum "Distanzmittel" und Waffen nennt man "friedenssichernde Systeme". Völkermord ist neuerdings eine "ethnische Säuberung" und was ist bitte schön an einer "humanitären Katastrophe" besonders menschlich?
Im Bereich der Umwelt spricht man von "Sondermüll". Dieser eigentliche Giftmüll muß "entsorgt" werden. Die Zerstörungen von Wäldern wird "Entlaubung" genannt und die Gefahr, die von einem Atomkraftwerk ausgeht heißt "theoretisches Restrisiko".
Diese Begriffsbildungen können natürlich nicht auf Dauer über die Realität hinweg täuschen, aber sie können zunächst sehr wohl von ihr ablenken und Verwirrung stiften.
Wenn nun gerade das Gegenteil bewirkt werden soll, d.h. wenn Politiker ihren Äußerungen besonderen Nachdruck verleihen wollen, sind Phrasen wie: "das sei hier ausdrücklich betont", "wir müssen die Dinge beim Namen nennen" oder "das kann hier gar nicht deutlich genug ausgesprochen werden" sehr beliebt. Das Wiederholen bestimmter plakativer Begriffe oder Syntagmen, wie sie häufig in Wahlslogans benutzt werden: "Grün ist der Wechsel" (Die Grünen), "Weltklasse für Deutschland" (CDU) dient dazu, die politischen Meinungen widerzuspiegeln, auch wenn sie gelegentlich etwas inhaltslos wirken.
Dies ist natürlich nur ein kleiner Ausschnitt aus den Möglichkeiten, die die Sprache bietet, um Meinungen zu transportieren oder mit bestimmten Situationen fertig zu werden. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist der Auftritt in der Öffentlichkeit. Politische Debatten werden durch die Medien übertragen, Interviews mit Politikern und Äußerungen von Ihnen sind somit jedem potentiellen Wähler zugänglich. Auch aus diesem Grund müssen Politiker ihre Äußerungen, so weit möglich, sorgfältig planen und mit Verstand verwenden
Ein Aspekt dieser öffentlichen Auftritte ist der Vortragsstil der Sprecher. Dieser kann natürlich nur bis zu einem gewissen Grad perfektioniert werden. Es gibt Redner, die als "gute Redner" bezeichnet werden, und auch solche, deren Reden man sich lieber ersparen würde. Aber nicht nur das Erlernen der Rhetorik hat Einfluß auf diese Meinungsbildung sondern auch der jeweilige Redekontext, die emotionale Verfassung des Sprechers und auch seine Stimme, die wiederum auch von bestimmten anatomischen Gegebenheiten abhängt.
Phonetischer Vergleich von Vortragsstilen
Der Vortragsstil sollte dem Inhalt der Rede angepaßt sein, um die gewünschte Wirkung zu erzielen. Dabei spielt die Situation, in der eine Rede gehalten wird, eine entscheidende Rolle. Man stelle sich eine Festtagsrede oder die Grabrede auf einer Beerdigung vor. Hier sind die Voraussetzungen für den Redner denkbar unterschiedlich, die Erwartungshaltungen der Hörer sind in beiden Fällen andere. Die sorgfältige Planung in Anbetracht der Situation und der Einstellung der Hörer ist für die politische Rede in ganz besonderem Maße wichtig. Politiker mögen ganz verschiedene Intentionen haben, sei es Manipulation, oder einfach die Darstellung bestimmter Sachverhalte.
In jedem Fall muß man sich darüber im Klaren sein, daß eine Rede ungewollte Konsequenzen haben kann. So wurde z.B. die Rede zum 50. Jahrestag der antijüdischen Pogrome (9.11.1938), vom ehemaligen Bundestagspräsidenten Philip Jenninger, die er am 10.11.1988 hielt, auf Grund seines "gleichgültig" wirkenden Vortrags für ihn zum Debakel. Da es sich hier um eines der dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte handelt, erwartete man natürlich, daß der Redner einerseits auf die damaligen Greueltaten aufmerksam macht, sie den Zuhörern ins Gedächtnis ruft, und sich andererseits klar von diesen Taten distanziert, sie für verabscheuungswürdig erklärt. Diese Botschaft konnte Jenninger in seiner Rede nicht vermitteln. "Ihm fehlte das Maß an Betroffenheit", war einer der Vorwürfe. Kaum jemand hat im Nachhinein den Inhalt der Rede kritisiert, trotzdem hatte sie zur Folge, daß er am nächsten Tag von seinem Amt zurücktrat.
Der Einfluß der Redeweise auf die Reaktionen der Hörer zeigt sich auch in einer Untersuchung von Paeschke und Sendlmeier. Sie haben die Vortragsstile von Rudolf Scharping und Oskar Lafontaine anhand phonetischer Kriterien verglichen. Die Reden wurden im November 1995 auf einem SPD Parteitag in Mannheim gehalten. Scharping war zu diesem Zeitpunkt zwei Jahre Vorsitzender der Partei. Die SPD befand sich im Hinblick auf ihre Personalführung in einem Stimmungstief, es handelte sich also um eine innerparteiliche Krisensituation.
Scharping konnte mit seinem Vortrag kaum Begeisterung und Motivation bei den Zuhörern hervorrufen. Lafontaine, der seine Rede am nächsten Tag hielt, hatte inhaltlich eigentlich nicht viel Neues zu bieten. Der erste Abschnitt stimmte teilweise wörtlich mit Scharpings Rede überein. Der große Unterschied bestand jedoch in der Art und Weise der beiden Vorträge, was zur Folge hatte, daß Lafontaine von den Delegierten aufgefordert wurde, für das Amt des Parteivorsitzenden zu kandidieren, obwohl das auf dem Parteitag überhaupt nicht zur Debatte stand. Er wurde dann schließlich mit einer überzeugenden Mehrheit von 62,6% gewählt.
In der Untersuchung von Paeschke und Sendlmeier wurden 20 beliebig ausgewählten Versuchspersonen Auszüge aus den beiden Reden vorgespielt. Ihnen wurden normale, begeisternde, und emotional erregte Passagen dargeboten. Diese Passagen wurden anhand von 16 Gegensatzpaaren auf einer siebenstufigen (+3 bis -3) Skala bewertet:
| eindringlich | oberflächlich | |
| überschwenglich | sachlich | |
| unaufrichtig | aufrichtig | |
| leidenschaftlich | leidenschaftslos | |
| gleichgültig | engagiert | |
| sicher | unsicher | |
| ruhig | lebhaft | |
| einfühlsam | distanziert | |
| unangenehm | angenehm | |
| abwechslungsreich | eintönig | |
| verstandesmäßig wirksam | gefühlsmäßig wirksam | |
| appellierend | feststellend | |
| natürlich | unnatürlich | |
| vertrauenswürdig | nicht vertrauenswürdig | |
| spontan | aufgesagt | |
| zu langsam | zu schnell7 |
Zusätzlich wurden auf einer solchen Skala die sechs Merkmale: resigniert, traurig, enttäuscht, vorwurfsvoll, begeisternd und energisch beurteilt.8
In 75% der Bewertungen zeigten sich deutliche Unterschiede, sowohl zwischen den ruhigen und erregten Passagen, als auch zwischen den beiden Sprechern. Die größten Unterschiede zwischen Scharping und Lafontaine bestanden in den Dimensionen "lebhaft - ruhig, energisch, traurig, resigniert, begeisternd, abwechslungsreich - eintönig". Etwa gleich beurteilt wurden beide Sprecher in den Dimensionen "natürlich - unnatürlich, angenehm - unangenehm, aufrichtig - unaufrichtig, einfühlsam - distanziert, vorwurfsvoll". Scharpings Vortragsstil wirkte insgesamt unausgewogener, er variierte stärker, Lafontaines Vortrag war im allgemeinen einheitlicher. Er wurde als lebhafter, sicherer und energischer empfunden, was in dieser Situation auch angebracht scheint.
Vergleicht man die Höreindrücke der beiden Redner, so spricht Lafontaine lauter, mit höherer Grundfrequenz und schneller. Scharpings Stimme klingt tiefer, gesetzter und vorsichtigerer. Bei einer Trauerrede erwartet man sicher genau das, eine zurückhaltende, ernsthaft wirkende Sprechweise, wie die Scharpings. Auf diesem Parteitag ging es aber gerade darum, Begeisterung und Tatkraft zu vermitteln, die Delegierten zu motivieren und anzuspornen, um die SPD aus der Krise heraus zu führen.
Scharping erweckt in seinen ruhigen Passagen den Eindruck von Resignation und in den lauten wirkt er distanziert, belehrend und künstlich aufgeregt. Lafontaine hingegen klingt natürlich, herausfordernd und überzeugend. Weiterhin wirken Scharpings ruhige Passagen eintönig, und die erregten übertrieben betont. Sehr auffällig ist auch seine Art der Betonung, er dehnt die Silben stärker als, daß er lauter wird oder die Grundfrequenz erhöht. Diese Form der Betonung ist im Deutschen eher ungewöhnlich, zwar spielen alle drei Merkmale zusammen, doch die Erhöhung des Atemdrucks und damit der Lautstärke, sowie die größere Muskelspannung im Kehlkopf, was zum höheren Grundton führt, sind die beiden Hauptmerkmale. In anderen Sprachen kann die Dehnung wiederum ein wichtiges Merkmal sein. Im Französischen steht die Dauer als Mittel zur Betonung nach der Grundfrequenzerhöhung an zweiter Stelle9.
Eine Stelle, an der Scharpings Art der Betonung
sehr deutlich wird, ist das Wort "nicht", hier dehnt er das kurze
[
] so stark, daß
es sich auch in der Vokalqualität dem langen [i:]
annähert. Lafontaine benutzt hauptsächlich Tonhöhen-
und Lautstärkeänderungen zur Hervorhebung von Silben,
übermäßige Dehnungen von Silben vermeidet er, auf
diese Weise wirkt seine Sprechweise für den deutschen
Zuhörer sicherlich natürlicher.
Wichtig ist auch die Struktur einer Rede. So kann man nicht erwarten, daß sich der Zuhörer nach einer einstündigen Rede den gesamten Inhalt gemerkt hat und ihn auch wiedergeben kann. Inhaltliche Punkte, die besonders hervorgehoben werden sollen, sowie Appelle, sollten gut verständlich dargeboten und wiederholt werden. Lafontaine unterteilt deshalb seine Rede in kurze ca. eine Minute dauernde Abschnitte, die ruhig beginnen und zum Ende hin lauter und schneller werden. Er endet häufig mit der Floskel "liebe Genossinnen und Genossen". Insgesamt äußert er sie 25 mal, davon 17 mal am Satzende. Auch das Benutzen von Redewendungen wie: "Ich werde zu drei Themen Stellung nehmen, einmal zu der Frage...", "zweitens...", "und zum Dritten...", erleichtert den Hörern eine Gliederung. Eine solche regelmäßige Struktur ist in Scharpings Rede schwer auszumachen. Die Längen seiner Abschnitte variieren stark und ohne erkennbaren Zusammenhang, kurze Passagen spricht er langsam und lange schnell, was der Verständlichkeit abträglich ist.
Der Hörer beurteilt die emotionale Verfassung des Sprechers auch anhand des Stimmklangs. Dieser wird nicht nur durch die Muskeln, die an der Stimmproduktion beteiligt sind, beeinflußt sondern durch die Spannungsverhältnisse des ganzen Körpers. Bei einem erhöhten Muskeltonus werden die höheren Teiltöne des Klangspektrums weniger stark gedämpft, was die Klangfarbe beeinflußt. Ein Hörer erkennt, ob der Vortrag mit einer großen Anspannung des Sprechers verbunden ist oder nicht. Je nach Redesituation kann das zu unterschiedlichen Bewertungen führen.
Scharping bewirkt keine positiven Emotionen bei seinen Zuhörern. Er selbst scheint resigniert, was unter anderem auf den gedämpften, dunklen Klang seiner Stimme zurückzuführen ist. Lafontaine hingegen ist in der Lage, durch sein energisches Auftreten die Delegierten in Begeisterung zu versetzen und sie davon zu überzeugen, daß er die SPD aus der Krise führen kann.
In den akustischen Analysen der Beispielsätze wurden Tonhöhen- und Dauerverhältnisse, und die Stimmqualität (mittlere Grundfrequenz und f0-Range, Energieverteilung im Spektrum, Silbendauer- und rate) untersucht. Diese Analysen bestätigten im wesentlichen den Höreindruck der Versuchspersonen. Nach dem Hörtest entschieden sich die Versuchspersonen zu 70% für Lafontaine als den besseren Vertreter ihrer Interessen. Bei den Delegierten auf dem Parteitag waren es 62,6%, die Lafontaine letztlich zu ihrem neuen Parteivorsitzenden wählten.
In diesen Betrachtungen wird weitgehend vom Redeinhalt abstrahiert. Dieser ist natürlich ebenfalls ein sehr wichtiger Faktor, da er im jeweiligen Redekontext an gewisse Voraussetzungen oder Erwartungen geknüpft ist. Sehr deutlich wird das in den Kriegsbotschaften amerikanischer Präsidenten.
"War Message" in Amerika - Die Reden von George Bush (1991) und Bill Clinton (1998) zur Eröffnung des Angriffs gegen den Irak
- Anlaß und Situation 1991
- Szenerie 1991
- Anlaß und Situation 1998
- Rhetorische Mittel der Reden von Bush und Clinton
- Die Verwendung von Pronomina und ihre Funktionen
- Nachbemerkung zur Rede von Bush
Anlaß und Situation 1991
Die irakische Armee war am 2.8.1990 in Kuwait eingefallen. Der damalige US-Präsident George Bush kündigte in seiner Rede vom 17.1.1991, die vom Fernsehsender CNN direkt übertragen wurde, den Luftangriff der alliierten Truppen gegen den Irak an. Bush mußte diesen Angriff vor der amerikanischen Bevölkerung rechtfertigen, da er heftig umstritten war. Viele Gegner argumentierten, daß der Krieg rein wirtschaftliche Interessen verfolgte. Es wurde befürchtet, daß der Irak einen großen Einfluß auf den Erdölpreis haben würde. Eine der bekanntesten Gegenparolen war "No blood for oil/ Kein Blut für Öl". Es gab sogar den Vorwurf, daß irakische Rückzugsangebote ignoriert wurden (Chomsky10). Außerdem waren viele Kriegsgegner davon überzeugt, daß der Irak auch durch Wirtschaftssanktionen zum Rückzug hätte gezwungen werden können. Um diese gegnerischen Positionen zu widerlegen, mußte die Rede also sehr sorgfältig vorbereitet werden, sowohl in Bezug auf die sprachliche Form als auch auf die Inszenierung in den Medien.
Szenerie 1991
Bush befand sich in einem schlicht ausgestatteten Raum, der das Amtszimmer des Präsidenten im Weißen Haus gewesen sein könnte. Man konnte nur in den ersten Sekunden einen größeren Ausschnitt des Raumes sehen. Bush saß an einem Schreibtisch, im Hintergrund war rechts die Fahne der Vereinigten Staaten und links die der Vereinten Nationen zu sehen. Danach wurde der Bildausschnitt verringert, so das Bush in einer Nahaufnahme zu sehen war. Man konnte dann über Bushs rechter Schulter ein Fensterkreuz sehen. Der Zuschauer hatte also das christliche Kreuzsymbol vor Augen. Bush hielt seine Rede mit dem Segen Gottes. Diese Einstellung wurde dann die ganze Zeit über beibehalten.
Bush benutzte einen Teleprompter und schaute daher fast immer, während der ganzen 12-minütigen Rede, in die Kamera. Nur zwei Aussagen zitierte er aus dem Manuskript, das auf dem Schreibtisch lag. Ansonsten wurde der Eindruck eines freien Vortrags erweckt. In einem Vergleich mit dem offiziellen Redemanuskript stellte sich heraus, daß Bush dieses absolut wortgetreu wiedergab, was für eine sorgfältige Vorbereitung spricht, die der ernsten Situation angemessen war.
Gleichzeitig unterstützte Bush mit seiner eher regungslosen Mimik den ernsthaften, wohlüberlegten Charakter der Rede. Er durfe sich auch nicht zu Haßtiraden oder dergleichen hinreißen lassen, da diese Emotionen in der amerikanischen Form der "war message" tabu sind.
Anlaß und Situation 1998
Am 19.11.1998 berichtete der amtierende US-Präsident Bill Clinton dem amerikanischen Volk in einer Radioansprache von dem Krieg gegen den Irak. Dieses mal war der Angriff damit begründet, daß der Irak die UNSCOM-Inspekteure daran hinderte, Einblicke in die irakische Waffenproduktion zu erhalten. Es war davon die Rede, daß der Irak biologische und chemische Waffen herstellte und möglicherweise auch bald im Besitz von Nuklearwaffen sein würde und auch bereit ist, diese Waffen einzusetzen. Der britische Premier Tony Blair äußerte:
"Dieser Mann (Saddam Hussein) hat bereits genügend chemische und biologische Waffen angesammelt, um die gesamte Menschheit zu vernichten - daran muß man ihn hindern."11
Diese Vorwürfe gegenüber dem Irak gab es allerdings schon seit geraumer Zeit. An anderer Stelle und zwar in den offiziellen Berichten der UNSCOM-Inspekteure erfährt man das:
"...das irakische Potential an Massenvernichtungswaffen zerstört und die Möglichkeit der Verschleierung gering sei."12
Interessant ist, daß, zum Zeitpunkt des Angriffs gegen den Irak, die Entscheidung über ein Amtsenthebungsverfahren von Bill Clinton kurz bevorstand. Viele mutmaßten, daß er in dieser Situation nur von seinem eigenen Fehlverhalten ablenken und außerdem Stärke demonstrieren wollte.
Rhetorische Mittel der Reden von Bush und Clinton
Die komplette Rede von Bush ist in Volmert(1993) auf den Seiten 223-225 zu finden, die Zeilenangaben nach den Zitaten sind von ihm übernommen. Die komplette Rede von Clinton ist im Anhang an diese Arbeit zu finden, die Nummerierungen der Absätze stammen von mir.
An die Kriegsbotschaften in Amerika werden gewisse Erwartungen geknüpft. Sie muß informativ sein und zugleich bestimmten Denk- und Wertvorstellungen genügen. Nach Campbell und Jamieson treten in allen amerikanischen Reden dieser Art seit 1776 fünf zentrale Merkmale immer wieder in Erscheinung:
- Jedes Redeelement weist darauf hin, daß der Entschluß zu Kampfhandlungen wohlüberlegt und das Ergebnis sorgfältiger Erwägungen ist;
- die Anwendung von Waffengewalt wird gerechtfertigt durch die Chronik der Ereignisse, aus der die eigenen Anrechte/ Ansprüche folgerichtig abgeleitet werden;
- das Publikum wird ermahnt, den (Kriegs-)Zielen einmütig zuzustimmen und sich vollständig darauf zu verpflichten;
- das rhetorische Konzept rechtfertigt nicht nur die Anwendung von Gewalt, sondern sucht auch zu legitimieren, daß der Präsident - als commander-in-chief außerordentliche Vollmachten übernimmt;
- strategisch begründete einseitige Darstellungen der Lage spielen (als Funktion der übrigen Merkmale) in den Redeappellen eine ungewöhnlich wichtige Rolle.13
Diese fünf Merkmale korrespondieren mit drei Motiven:
- Der "Verteidigungsfall" ist eingetreten;
- das Leben der Amerikaner wird von feindlichen Staaten bedroht;
- nationale amerikanische Interessen sind bedroht.14
Der Krieg darf nicht rein wirtschaftliche Interessen verfolgen. Er muß eine Verbesserung der gesellschaftlichen und politischen Situation in den betroffenen Ländern zur Folge haben. Er muß sozusagen einem höheren Zweck dienen. Bush realisiert das folgendermaßen:
"Our objectives are clear. Saddam Hussein's forces will leave Kuwait. The legitimate government of Kuwait will be restored to its rightful place and Kuwait will once again be free."(Zeile 35-47)
In Clintons Rede wird das in folgenden Zitaten deutlich, in denen er zusätzlich darauf hinweist, daß keine Zeit zu verlieren ist.
"I believe our action in Iraq clearly is in America's interest. Never again can we allow Saddam Hussein to develop nuclear weapons, poison gas, biological weapons, or missiles to deliver them. He has used such terrible weapons before against soldiers, against his neighbors, against civilians. And if left unchecked, he'll use them again."(II)
I acted quickly because, as my military advisors stressed, the longer we waited, the more time Saddam would have to disperse his forces and protect his arsenal. Our mission is clear: to degrade Saddam's capacity to develop and deliver weapons of mass destruction, and threaten the region."(VI)
Bush betont auch, daß Hussein immer wieder gewarnt wurde. Es wurden also alle Anstrengungen unternommen, um den Angriff zu vermeiden:
"The world could wait no longer." (Zeile 44-45)
"Saddam was warned over and over again to comply with the will of the United Nations leave Kuwait or be driven out." (Zeile 77-78)
Bush macht den Zuhörer wiederholt darauf aufmerksam, daß nicht nur die USA ein Interesse an Husseins Vertreibung haben, sondern es zum Wohl der ganzen Welt ist. Er beginnt fünf kurz aufeinanderfolgende Sätze mit der Anapher "While the world waited..." (Zeile 50, 53, 57, 58, 68), und endet dann in der abschließenden Klimax mit dem Satz: "While the world prayed for peace Saddam prepared for war." (Zeile 69)
Kein Gebet hat geholfen, um den Aggressor Hussein von seinen Untaten abzuhalten, es bleibt keine andere Alternative, als ihn anzugreifen. Hussein erscheint in Bushs Rede als die Personifizierung des Bösen; er ist es mit dem der Konflikt besteht, jedoch nicht das irakische Volk:
"We have no argument with the people of Iraq....leave Kuwait and let Iraq rejoin the family of peace-loving nations." (Zeile 108-113)
Bush benutzt in seiner Rede religiöse Motive, um die guten bzw. höheren Absichten des Angriffs zu unterstreichen:
"While the world prayed for peace...." (Zeile 69)
"Tonight, as our forces fight, they and their families are in our prayers. May God bless each and every one of them...." (Zeile 157-158)
Und in dem Zitat von Thomas Paine bezieht er sich auf das Bild der Zeiten der Versuchung: "These are the times that try men's souls." (Zeile 115-116)
Auch Clinton erweist sich in seiner Rede als religiöser Mensch, der um das Wohl seiner Truppen bemüht ist und zu schätzen weiß, welchen wichtigen und mutigen Dienst sie für das Wohl der Menschheit leisten:
"As I speak to you America's men and women in uniform, and our British allies, are fighting for security, peace and freedom in the Persian Gulf. They're doing an outstanding job, showing bravery and skill, making our country proud. Our thoughts and prayers are with them."(I)
Sowohl in Clintons als auch in Bushs Rede wird eindringlich darauf aufmerksam gemacht, daß Saddam Hussein die volle Verantwortung für den Krieg trägt, es obliegt allein ihm, die Situation friedlich zu bereinigen. Clinton und Bush sind sich der Unterstützung Gottes sicher, wenn sie gegen den "Teufel" Saddam kämpfen.
Die Verwendung von Pronomina und ihre Funktionen
Der Redner versucht bestimmte Rollen seiner Person zu vermitteln. Die Verwendung der Ich-Deiktika zeigt eine persönliche Involvierung des Sprechers an. Insgesamt enthält der Text von Bush 14 Belege: 12 mal das Pronomen "I" und jeweils einmal die Pronomen "me" und "my".
Zum einen benutzt er das berichtende Ich "...as I speak" (Zeile 2), "as I report to you..." (Zeile 27), in anderen Äußerungen macht er dann seine persönliche Betroffenheit deutlich. Er vermittelt dir Rolle des demütigen, gläubigen Redners: "I had hoped that..." (Zeile 71), "I'm hopeful..." (Zeile 96), "...I pray for their safety." (Zeile 109). Natürlich muß er auch seine Rolle als politische Autorität betonen, die das Kommando über die Truppen hat: "I introduced our military commanders..." (Zeile 88-89).
Bush benutzt in der Rede nur einmal das Pronomen "you" (Zeile 27), um seine Zuhörer direkt zu adressieren, er will ansonsten keine unnötige Distanz schaffen, sondern zeigen, daß er und seine Zuhörer dieselben Interessen verfolgen; zu einer Einheit gehören.
Mit den "Wir-Deiktika" können ganz verschiedene Gruppen oder Kollektive bezeichnet werden. Es ist nicht immer ganz einfach, klare Abgrenzungen zu ziehen. Der Grad der persönlichen Involvierung variiert. Ein Beispiel für ein "exklusives wir" ist die Frage eines Arztes an seinen Patienten: "Wie geht es uns denn heute?". In diesem Fall ist nur nach dem Gesundheitszustand des Patienten gefragt, obwohl sich der Arzt mit dem Pronomen "uns" mit einschließt. Diese Form des "exklusiven wir" ist in den Reden von Bush und Clinton allerdings nicht anzutreffen. In Bushs Rede werden 39 Pronomen benutzt, die auf verschiedene "Wir-Gruppen" verweisen.
Da ist z.B. die USA als Staat und gleichzeitig als handelnde politische Einheit:
"we and our allies" (Zeile 47), "our forces" (Zeile 88), "We have no argument with..." (Zeile 108)
Weitere Gruppen sind die alliierten Streitkräfte: "We will also destroy..." (Zeile 29), oder Amerika als Nation/ Gemeinschaft: "our own economies" (Zeile 61), "our sons and daughters" (Zeile 123). In dem letzten Beispiel wird auf die familiäre Gemeinschaft hingewiesen. Bush präsentiert sich in der Rolle des "Vaters der amerikanischen Nation", die wiederum ein Teil der "family of peace-loving nations" (Zeile 113) ist, die gemeinsam gegen die bösen Machenschaften Husseins angeht.
Ein sehr ähnliches Schema der Pronomialverwendung läßt sich in Clintons Rede ausmachen. Sie enthält insgesamt neun Pronomen der ersten Person Singular, siebenmal "I" und zweimal "my" sowie 31 Wir-Deiktika, 16-mal "we" und 15-mal "our". Die Rollen, die hier transportiert werden, sind weitgehend die gleichen. Auch Clintons Ziel ist, daß alle Nationen in Zukunft in Frieden zusammen leben:
"As we enter the season of peace, we remain ever-hopeful that, one day, all nations and all communities will actually live in peace, with tolerance, respect, and civility. There can be no greater gift for our children."(XII)
Im Gegensatz zu Bush benutzt Clinton mehrere Male die Pronomen der zweiten Person, einmal, um seine Zuhörer zu adressieren:
"As I speak to you America's men and women in uniform, and our British allies, are fighting for security, peace and freedom in the Persian Gulf."(I),
und sechsmal, um die amerikanischen und britischen Soldaten zu adressieren:
"To those forces now engaged in the battle against Saddam Hussein, you have our appreciation for your courage, and our nation's hopes for your safe and successful return."(X)
"To all those in our Armed Forces who will spend this holiday season away from home, away from your loved ones, we thank you for your service. You are helping to insure a just and peaceful world."(XI)
Dabei hat Clinton sicher nicht im Sinn, sich von diesen Personengruppen zu distanzieren. Er macht in einer ganzen Reihe anderer Äußerungen wie z.B. "our troops"(II), "our forces"(X), "our soldiers"(X), und "our Armed Forces"(XI) ein "Wir-Gefühl" deutlich. Auch in Clintons Rede bilden er und das amerikanische Volk eine Interessengruppe.
Hier soll natürlich nicht behauptet werden, daß diese beiden Reden aus derselben Feder stammen. Aber sie gleichen sich sicher in Ihren Grundzügen, die wie schon erwähnt gewissen Erwartungshaltungen des amerikanischen Volkes entsprechen. Hussein wird in beiden Reden zum personifizierten Bösen, gegen das mit militärischer Gewalt vorgegangen werden muß. Nun war und ist Saddam Hussein sicher kein Weisenknabe, den man schalten und walten lassen sollte, wie es ihm paßt. Auch er greift seine Gegner sicher nicht nur mit Waffen, sondern auch mit Worten an. Er wird dem irakischen Volk das genaue Gegenteil von Bushs und Clintons Ausführungen vermittelt haben. Aber die Motivationen von Bush im Jahre 1991 und die von Clinton 1998 waren sicher auch die Stärkung der eigenen Position, die besonders in Clintons Fall sehr umstritten war.
Nachbemerkung zur Rede von Bush
Vor einem Ausschuß der Vereinten Nationen berichteten "Augenzeugen", daß irakische Soldaten in Krankenhäusern Kuwaits eingefallen sind und dort Neugeborene aus ihren Brutkästen gerissen und umgebracht hätten. Diese Grausamkeiten waren für Bush eine weitere Rechtfertigung für den Angriff:
"Saddam Hussein systematically raped, pillaged and plundered a tiny nation no threat to his own. He subjected the people of Kuwait to unspeakable atrocities, and among those maimed and murdered innocent children." (Zeile 50-53)
In Nachhinein stellte sich heraus, daß das "Flüchtlingskind", das eine Aussage machte, die Tochter des kuwaitischen Botschafters in Washington war, und der Arzt, der ebenfalls aussagte, sich zum Zeitpunkt der angeblichen Ermordung nicht in Kuwait aufhielt. Die Aussagen wurden von niemandem, der sich zum Zeitpunkt der irakischen Invasion in Kuwait befand, bestätigt.
Die Regierung Kuwaits hingegen investierte 10 Millionen Dollar in eine Kampagne der New Yorker Werbeagentur Hill & Knowlton, die die Bereitschaft der Vereinten Nationen zu einem Militärschlag gegen den Irak erhöhen sollte. Die Tatsache, daß einer der stellvertretenden Direktoren von Hill & Knowlton früher in Bushs Administration tätig war, legt die Vermutung nahe, daß der ehemalige CIA-Chef Bush von dieser Inszenierung wußte, vielleicht selber daran beteiligt war.
Zur Berichterstattung in den Medien kann man noch hinzufügen, daß diese sehr einseitig war. Informationen über den genauen Verlauf der Kriegshandlungen wurden zurückgehalten, kritische Journalisten waren nicht gefragt und die Grausamkeiten und die Zerstörung, die ein Krieg mit sich bringt, wurden verschwiegen.
Schlußwort
Gerade diese letzten Bemerkungen machen deutlich, wie stark die Sprache im Zusammenspiel mit den Medien manipulieren kann. Daß Politiker das durchaus beabsichtigen, sollte jedem klar sein, der sich mit der Thematik beschäftigt, d.h. zu Wahlkampfveranstaltungen geht, sich politische Fernsehsendungen ansieht, die politische Presse liest oder die weiteren zur Verfügung stehenden Mittel dazu nutzt. Es gibt immer eine Intention hinter einer Aussage, daher sollte man alle Äußerungen kritisch hinterfragen und auf ihren Wahrheitsgehalt prüfen, soweit dies möglich ist. Wer in einem demokratischen System lebt, sollte nicht der Illusion verfallen, daß die Medien eine neutrale Informationsquelle darstellen. Hier werden ebenfalls bestimmte politische Ansichten vermittelt, auch wenn dies nicht unbedingt das primäre Ziel ist. Die Sprache ist möglicherweise das wichtigste Kommunikationsmittel zwischen Menschen, sie dient aber nicht immer dazu, daß Kommunikationspartner miteinander kooperieren sondern wird auch vielfach mißbraucht, wie in dem folgenden Zitat von Arthur Sylvester (US-Staatssekretär im Verteidigungsministerium 1962) offen bekundet wird: "I think the inherent right of the government to lie to save itself...is basic."15
1 siehe Wilson 1990 S.34
2 REP Pressemitteilung vom 17.11.1998
3 Die Liberalen Pressemitteilung vom 4.1.1999
4 Die Liberalen Pressemitteilung vom 7.1.1999
5 PDS Pressemitteilung vom 5.1.1999
6 PDS Pressemitteilung vom 5.1.1999
7 siehe Paescke/ Sendlmeier 1997 unter 2.1
8 siehe Paescke/ Sendlmeier 1997 unter 2.1
9 vgl. Neppert/ Pétursson 1986 Seite 147
10siehe Peters 1995
11 siehe Ronnefeldt 1998
12 siehe Ronnefeldt 1998
13 siehe Volmert 1993 S.203
14 vgl. Volmert 1993 S.203-204
15 vgl. Wilson 1990 S.9
Literaturverzeichnis
- Heringer, Hans Jürgen (1990): "Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort" Politk, Sprache, Moral. München: C.H. Beck
- Neppert/ Péturrson, Joachim/ Magnus (1986): Elemente einer akustischen Phonetik. Hamburg: Helmut Buske Verlag
- Paescke/ Sendlmeier, Astrid/ Walter F. (1997):
"Die Reden von Rudolf Scharping und Oskar Lafontaine auf dem
Parteitag der SPD im November 1995 in Mannheim - Ein
sprechwissenschaftlicher und phonetischer Vergleich." In:
Zeitschrift für angewandte Linguistik, 27/1993,
S.5-39.
www-Dokument vom 6.1.1999 (Adresse: http://www.kgw.tu-berlin.de/~paeschke/MA/ma_zfal.htm) - Peters, Hinnerk (1995): Der
Golfkrieg.
www-Dokument vom 27.1.1999 (Adresse: http://www.hausarbeiten.mikro.net/data/politologie/pol-golf-zus.htm) - Ronnefeld, Clemens (1998): Suche ohne
Ende.
www-Dokument vom 26.3.1999 (Adresse: http://www.friedenskooperative.de/themen/golf-02.htm) - Volmert, Jochen (1993): "'While the world prayed for peace, Saddam prepared for war' Bushs Fernsehrede zur Eröffnung des Bombenkrieges gegen den Irak." In: Inszenierte Information. Opladen: Westdeutscher Verlag, S.199-230.
- Wilson, John (1990): Politically Speaking: The Pragmatic Analysis of Political Language. Cambridge: Blackwell
Weitere Quellen
- Die Liberalen Pressemitteilung vom
4.1.1999.
www-Dokument vom 19.01.99: (Adresse: http://www.fdp/de/db/ak.zeige.phtml=) - Die Liberalen Pressemitteilung vom
7.1.1999.
www-Dokument vom 19.01.99: (Adresse: http://www.fdp/de/db/ak.zeige.phtml) - PDS Pressemitteilung vom 5.1.1999.
www-Dokument vom 19.01.99: (Adresse: http://www.pds-online.de/1/sw/aktuell/99-01/rassismus.htm) - REP Pressemitteilung vom 17.11.1998 Nr.
79/98.
www-Dokument vom 19.01.99: (Adresse: http://www.republikaner.de/presse/1pr07998.htm)
Anhang
THE WHITE HOUSE
Office of the Press Secretary
For Immediate Release December 19, 1998
RADIO ADDRESS OF THE PRESIDENT TO THE NATION
The Oval Office
10:06 A.M. EST
I THE PRESIDENT: Good morning. As I speak to you America's men and women in uniform, and our British allies, are fighting for security, peace and freedom in the Persian Gulf. They're doing an outstanding job, showing bravery and skill, making our country proud. Our thoughts and prayers are
with them.II Putting our troops in harm's way is the hardest decision any President faces. I believe our action in Iraq clearly is in America's interest. Never again can we allow Saddam Hussein to develop nuclear weapons, poison gas, biological weapons, or missiles to deliver them. He has used such terrible weapons before against soldiers, against his neighbors, against civilians. And if left
unchecked, he'll use them again.III For seven and a half years, United Nations weapons inspectors did a truly remarkable job in forcing Saddam to disclose and destroy weapons he insisted he did not have. But over the past
year Saddam repeatedly has blocked their efforts. Each time with intensive diplomacy backed by the threat of force, we compelled him to back down.IV Last month, when he agreed to fully cooperate, I cancelled an American military action. But I, along with Prime Minister Tony Blair of Great Britain, made it absolutely clear that if he did not fully cooperate we would have no choice but to act without further negotiation or warning.
V For three weeks, the U.N. inspectors tested Saddam's commitment. He failed the test, hindering and preventing inspections, withholding and destroying documents. As their Chairman concluded, the inspectors can no longer do their vital job. Under these circumstances, had we failed to respond it would have given Saddam a green light to rebuild his arsenal and threaten his neighbors.
VI I acted quickly because, as my military advisors stressed, the longer we waited, the more time Saddam would have to disperse his forces and protect his arsenal. Our mission is clear: to degrade Saddam's capacity to develop and deliver weapons of mass destruction, and threaten the region. Based on reports from the Secretary of Defense, the Chairman of the Joint Chiefs, and the CIA Director, I believe the mission is going well.
VII Now, where do we go from here? Our long-term strategy is clear. First, we stand ready to use force again if Saddam takes threatening action such as seeking to reconstitute his weapons of mass destruction, menacing his neighbors or his own Kurdish citizens, or challenging allied aircraft.
VIII Second, so long as Iraq fails to live up to its obligations, we'll work with the international community to keep the sanctions in place. They have cost Saddam more than $120 billion -- resources he would have devoted to rebuilding his weaponry. At the same time, we will continue to support the ongoing program to provide humanitarian supplies to the people of Iraq, so that Saddam uses his oil to buy food and medicine, not tanks and missiles.
IX Finally, we'll strengthen our engagement with Iraqis who want a new government, one that will respect its citizens and live in peace with its neighbors. We must not harbor illusions, however, that change will come easily or quickly. But we should go forward, and we will, with determination, working with opposition groups, strengthening the global consensus for bringing Iraq a government
worthy of its people.X As our forces carry out their missions, I want to express my heartfelt thanks to all our soldiers, sailors, airmen and Marines, in the Gulf and all around the world, who work every day to defend our freedom, promote stability and democracy, and bring hope. To those forces now engaged in the battle against Saddam Hussein, you have our appreciation for your courage, and our nation's hopes for
your safe and successful return.XI To all those in our Armed Forces who will spend this holiday season away from home, away from your loved ones, we thank you for your service. You are helping to insure a just and peaceful world.
XII As we enter the season of peace, we remain ever-hopeful that, one day, all nations and all communities will actually live in peace, with tolerance, respect, and civility. There can be no greater gift for our children.
Thanks for listening.
END
10:11 A.M. EST
Quelle: WWW Dokument vom 16.2.1999
URL:
http://www.pub.whitehouse.gov
© 1999 Ramiro Gómez. All rights reserved.
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